Samstag, 18. November 2017

Tschüss Pille! Hallo NFP!

Ich habe lange überlegt, ob ich einen Blogpost über ein so persönliches Thema verfassen soll, aber ich bin so glücklich mit meiner Entscheidung und stelle immer wieder fest, dass nicht nur mir anfangs die Entscheidung sehr schwer gefallen ist, so dass in meinen Augen gar nicht oft genug über solche Erfahrungen gesprochen bzw. geschrieben werden kann.

Zunächst einmal möchte ich klar stellen, dass ich die Pille als Verhütungsmittel grundsätzlich nicht verteufeln möchte. Sie ist bei korrekter Einnahme ein vergleichsweise sicheres Verhütungsmittel. Die Nebenwirkungen, die bei mir aufgetreten sind, treten nicht bei jeder Anwenderin auf. Es soll schließlich auch durchaus Frauen geben, die die Pille gut vertragen. Ich habe somit eine Entscheidung getroffen, die mir schlichtweg für mich und meinen Körper am sinnvollsten erschien.




Ich habe die Pille insgesamt ca. 10 Jahre lang genommen (verschiedene Präparate; zuletzt über viele Jahre eine Pille, die insbesondere bei der Aknetherapie zum Einsatz kommt und eigentlich nicht zur reinen Verhütung auf Dauer eingenommen werden soll). Bei mir haben sich leider im Laufe der Jahre verschiedene Nebenwirkungen bemerkbar gemacht, die ich auf die Pille zurückführe. So etwa:

- kompletter Libidoverlust
- Augentrockenheit
- sehr antriebslose und unausgeglichene Stimmung (u.a. sehr oft sehr müde, weinerlich und wenig empathisch)
- Kontaktblutungen (Ektopie)
- regelmäßige Bauchkrämpfe nach dem Essen

Mir war schon eine Weile bewusst, dass ich mich möglicherweise nach einer anderen Verhütungsmethode umsehen sollte, aber die Pille war für mich zugegebenermaßen das Nonplusultra unter den Verhütungsmitteln. Keine andere Methode erschien mir so sicher zu sein. 

Eher zufällig stieß ich Mitte letzten Jahres auf NFP (natürliche Familienplanung), genauer gesagt die symptothermale Methode, die man sowohl zur Verhütung, als auch bei Kinderwunsch oder zur reinen Zyklusbeobachtung verwenden kann.




Meine Skepsis war groß, denn ich musste unweigerlich an die Kalendermethode oder auch Verhütungscomputer denken und generell hörte es sich nach einer Methode an, die nur für Anwender/innen geeignet sei, die zumindest unterschwellig einen Kinderwunsch haben. Glücklicherweise beschäftigte ich mich trotzdem weiter mit dieser Methode und stellte fest, dass es sich um eine erstaunlich sichere Methode (vergleichbar mit der Pille) handelt, die aber im Gegensatz zu hormonellen Verhütungsmethoden frei von Nebenwirkungen ist. Es vergingen trotzdem einige weitere Monate, bis ich mich endlich traute, die Pille abzusetzen.

Um an dieser Stelle nicht zu sehr abzuschweifen, möchte ich nur ein paar Worte über NFP verlieren und die Methode nur sehr grob beschreiben (bei Interesse widme ich dem Thema gerne einen eigenen Blogbeitrag):

Eine Eizelle kann nur kurz nach dem Eisprung (soweit ich weiß max. 24 h danach) befruchtet werden. Unmittelbar im Zeitraum des Eisprungs steigt die Körpertemperatur an und bleibt bis zur Menstruation erhöht. Man befindet sich dann in der sog. Hochlage, die ohne Schwangerschaft maximal 18 Tage lang ist, während die Zeit davor, die sog. Tieflage, unterschiedlich lang sein kann. Zervixschleim und Muttermund verändern sich auch in der fruchtbaren Zyklusphase. Bei der symptothermalen Methode beobachtet man seine Aufwachtemperatur und ein Östrogenzeichen (Zervixschleim oder Muttermundstand) und trägt diese Beobachtungen in einer Zykluskurve ein. Mit Hilfe dieser Körperzeichen und den Auswertungsregeln kann man erkennen, ob man sich in einer fruchtbaren oder unfruchtbaren Zyklusphase befindet. Nutzt man NFP zur Verhütung, weiß man mit Hilfe der symptothermalen Methode, wann der Eisprung vorbei ist und eine Schwangerschaft daher nicht mehr möglich ist. In der fruchtbaren Phase nutzt man eine Barrieremethode (z.B. Kondome, Dia o.ä.).

Man braucht also nur ein regelkonform messendes Thermometer und auf Papier oder online geführte Zykluskurven. 

Standardwerk zum Erlernen der Methode scheint "Natürlich & sicher - das Praxisbuch" (ISBN: 978-3-8304-2364-5) zu sein. 

Ich habe ehrlich gesagt anfangs gedacht, dass die Methode viel zu aufwändig und kompliziert für mich ist, aber auch hier gilt: Learning by doing! Gerade die Auswertungsregeln lernt man am besten in der Praxis an Zykluskurven. Ist man sich unsicher, nutzt man so lange vorsorglich eine Barrieremethode. Ich hatte anfangs ziemliche Schwierigkeiten, auf Kondome zu vertrauen, da eine Schwangerschaft für mich nach wie vor absolut unerwünscht wäre. Kondome sind aber wirklich sicher, wenn man a) die richtige Größe verwendet (ausmessen und nicht einfach die Standardgröße aus der Drogerie kaufen) und b) wenn nötig Gleitmittel verwendet. Mit jeder Zyklusauswertung fasse ich mehr Vertrauen in die Methode und allein schon der erste Temperaturanstieg war für mich ein Aha-Erlebnis. NFP ist gerade bei Schwangerschaftsparanoia von Vorteil, denn durch die Zyklusbeobachtung weiß man, in welcher Zyklusphase man sich befindet. Ohne NFP hätte ich vermutlich bereits in den ersten 5 Monaten nach dem Absetzen der Pille ein Dutzend Schwangerschaftstests gemacht, da meine erste Menstruation einfach so lange auf sich warten ließ. Dank NFP wusste ich aber, dass vorher kein Eisprung stattgefunden hatte und eine Schwangerschaft somit schlichtweg nicht möglich gewesen ist.

Nun bin ich seit knapp 13 Monaten pillenfrei und bereue meine Entscheidung überhaupt nicht. Ich fühle mich tatsächlich besser, bin weniger müde, weniger antriebslos, pflege wieder mehr soziale Kontakte (vorher ging es nach der Arbeit immer direkt auf die Couch), bin empathischer, kann wieder körperliche Nähe zulassen und die ganzen körperlichen Einschränkungen wie etwa die Augentrockenheit und Kontaktblutungen sind verschwunden. Sogar meine Menstruation ist -anders als befürchtet- weniger schmerzhaft und inzwischen auch weniger stark als vor/mit der Pille.

Einziger Nachteil des Absetzens ist für mich, dass ich etwa seit dem 3. Monat nach dem Absetzen unter Akne leide und meine Haut damit schlimmer geworden ist, als sie es mit 16 war, als ich mir die Pille erstmalig habe verschreiben lassen. So sehr mich der Anblick im Spiegel auch täglich frustriert, kommt für mich nicht in Frage, allein aus diesem Grund wieder die Pille zu nehmen. Hinzu kommt, dass sich mein Körper offenbar immer noch nicht von der Pille erholt hat und sich das mit noch ziemlich langen, unregelmäßigen Zyklen bemerkbar macht. Insofern habe ich noch die Hoffnung, dass die Haut etwas besser werden wird.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich wünschte, ich hätte mich früher über die hormonfreien Alternativen zur Verhütung informiert und die Pille schon vor einigen Jahren abgesetzt.

Kommentare:

  1. Unglaublich spannendes Thema, und auch im Moment sehr en vogue, habe ich das Gefühl: du triffst also einen Nerv.
    Ich habe die Pille nur sehr kurz genommen (mit Unterbrechung vielleicht 2 Jahre) und bin dann absichtlich ausgestiegen: ich hatte einen Bericht (beim Wartezimmer des Arztes, übrigens) in einer 'FREUNDIN' zu den Nebenwirkungen gelesen und dann beschlossen, sie nicht wieder anzufangen zu nehmen und bin froh, nicht dauerhaft Medikamente einwerfen zu müßen.
    Mein Zyklus ist zum Glück sehr regelmäßig, aber ich würde mich trotzdem nicht drauf verlassen, zu oft habe ich von meiner Mama gehört "ich bin schon mal am 3. und mal am 20.Tag schwanger geworden" *hehe*

    P.S. die Stelle "wenn man a) die richtige Größe verwendet (ausmessen und nicht einfach die Standardgröße aus der Drogerie kaufen)" finde ich besonders spannend. Wo ist das Maßband? Ich muss kurz weg :)

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    1. Ich habe auch das Gefühl, dass dieses Thema inzwischen häufiger aufgegriffen wird. Ich frage mich, ob das daran liegt, dass ich mich damit nun vermehrt beschäftigt habe und es mir nur daher auffällt oder ob tatsächlich inzwischen ein Umdenken erfolgt.

      "Mein Zyklus ist zum Glück sehr regelmäßig, aber ich würde mich trotzdem nicht drauf verlassen, zu oft habe ich von meiner Mama gehört "ich bin schon mal am 3. und mal am 20.Tag schwanger geworden" *hehe*"
      Verstehe ich total. Das wäre ja auch nichts anderes als die Kalendermethode, die von einem Eisprung rund um Zyklustag 14 ausgeht, was ziemlich in die Hose gehen kann, wenn man sich stur nach der Zykluslänge richtet und nach ZT 14 automatisch Unfruchtbarkeit annimmt ;)

      Ich muss gestehen, vom Ausmessen für die richtige Kondomgröße habe ich letztes Jahr zum ersten Mal gehört, als ich mich mit NFP befasst habe :)

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  2. Liebe Isabel,
    danke für das Teilen dieser persönlichen Erfahrung, ich denke es hilft vielen jungen Frauen sich über ihre Verhütungsmethode Gedanken zu machen. Ich habe die Pille vor 3 Jahren abgesetzt – dabei hatte ich nicht mal Nebenwirkungen. Ich fand es nur einfach nicht mehr normal, mich jeden Tag mit Hormonen vollzupumpen. Abgesehen davon,dass ich das für mich selbst unnatürlich finde, pumpen wir damit auch Tonnen von Hormonen in unsere Umwelt und die Auswirkungen hiervon werden nicht mal untersucht. Nun ja, auch ich hatte danach sehr mit Pickeln zu kämpfen. Normalerweise sollte das nach einem Jahr wieder weg gehen – tat es bei mir aber nicht. Wohl einfach zu viel Hormone, die nicht mehr durch die Pille geregelt wurden. Ich habe so ziemlich alles in allen Drogerien durch probiert und nichts hat geholfen. Zum Schluss hatte ich mir sogar das Gesicht jeden Morgen und Abend mit Kernseife und Peelingschwamm abgerubbelt. Aber egal was ich gemacht ahbe, alles half ein paar Tage und dann ging es von vorne los. Dann hatte ich mich durch gerungen zu einer Kosmetikerin zu gehen. Die empfahl mir nach der Behandlung Produkte aus der Apotheke. Zum Reinigen Cleanser und Tonic von La Roche und eine Creme von Piroche. Gerade die Creme ist wirklich toll und mein absoluter Lebensretter – allerdings leider auch wirklich teuer (ca. 70€ das Stück). Dafür hält sie aber auch wirklich ein halbes Jahr. Dazu nehme ich auch noch Hyaluronsäure von vitaminexpress.org/hyaluronsaeure/ als Nahrungsergänzungmitteel ein. Das alles mache ich nun seit drei Monaten und es ist das erste Mal, dass meine Haut wirklich kontinuierlich schrittweise besser wird. Vielleicht sparst du dir die Odyssee und lässt dich direkt einmal bei einer Kosmetikerin speziell für deine Haut beraten. Ich hätte mir 2,5 Jahre psychischen Terror gespart, hätte ich es direkt gemacht und das bisschen Geld in die Hand genommen.

    Alles Liebe Dir
    Kristina

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    1. Vielen Dank für deinen Kommentar und die Tipps, Kristina! Mir wurde von meiner FÄ eine Creme verschrieben, die ich jetzt noch etwas länger verwenden möchte, da die Wirkung wohl nicht sofort eintritt. Sollte das auch nicht helfen, werde ich wohl doch mal einen Hautarzt und auch eine Kosmetikerin aufsuchen.
      Ich drücke dir die Daumen, dass sich deine Haut weiterhin verbessert :)

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  3. Moin Moin,

    Find ich spannend; auch ich habe die Pille nach über einem Jahrzehnt von jetzt auf gleich abgesetzt. Ich habe mich damit einfach nicht mehr wohl gefühlt obwohl ich nicht mit Bestimmtheit sagen konnte woran das lag. Ich hab nach dem Absetzen riesige Veränderungen bei mir festgestellt. Mehr Energie, mehr Libido, mehr Kraft und Interesse. Im Gegensatz dazu war ich mit Pille irgendwie dumpf. Meine Haut hat sich nicht verschlechtert, ich habe jetzt aber keine Sommersprossen mehr und meine Muttermale sind alle einen Ticken heller geworden. Meine Haare hingegen haben sich verschlechtert. Ich muß jetzt 2-3/Woche waschen, vorher nur einmal...aber gut, damit kann ich dank Trockenshampoos leben.
    Leider hab ich noch keine gute Alternative gefunden, mein Lebenspartner hasst Kondome und mein Zyklus ist....zickig. Bin am überlegen die Kupferspirale zu nehmen, aber noch unsicher.
    Danke für diesen tollen Beitrag, man bzw Frau sollte viel öfter über solche Dinge schreiben, lesen und sprechen!

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    1. Ich danke dir auch für deinen Kommentar :)
      Die Beschreibung "dumpf" mit Pille trifft es bei mir auch sehr gut. Das Problem mit dem Nachfetten der Haare habe ich übrigens ebenfalls, aber das macht mir auch nicht so viel aus.
      Ich habe anfangs auch überlegt, ob ich mir eine Kupferspirale o.ä. legen lasen, aber ehrlich gesagt habe mich -neben der Tatsache, dass es ein Fremdkörper ist- die negativen Erfahrungen, die man so im Internet lesen kann, doch abgeschreckt.

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    2. Dazu muss ich ganz ketzerisch sagen, daß ich mich persönlich noch nie von 'Abneigungen' der Kerle gegen das dünne Latex habe ins Bockshorn jagen lassen: allein, daß es die einzige Verhütungsmethode ist, die sie auf sich nehmen können, macht mir das Ganze schon sympathisch, außerdem ist es so praktisch. Und ich bin auch in der Schule sehr viel mit Aufklärung über HIV und andere GK großgeworden und wir haben alle aufgesaugt, daß Kondome super sind. Wenn mir persönlich ein Mann sagen würde, daß er sowas Harmloses wie hauchdünnes Latex hasst, würde ich wohl antworten: "Und ich hasse es, 10 Monate als Walfisch rumzurennen und dann eine Wassermelone aus mir rauszupressen!" *hehe*

      Mein Standardspruch ist: "zieh du was an, dann zieh ich was aus!" und gut ist's ^.^

      LG!!

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    3. Ich muss auch zugeben, dass ein Kondomverweigerer, die soll es ja auch geben, bei mir sehr schlechte Karten hätte - das geht gar nicht ;) Mich selbst stören Kondome überhaupt nicht und ich sehe auch nicht ein, dass frau ganz alleine für die Verhütung sorgen soll (vom Schutz vor GK mal ganz abgesehen)... Ich habe mich mit Alternativen wie Dia usw. daher bislang nicht weiter beschäftigt. Wenn beide Partner Kondome nicht mögen, ist das natürlich wieder etwas anderes.

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